Ankommen in Bad Harzburg
Ungefähr einmal im Jahr fahre ich nach Bad Harzburg.
Hier bin ich geboren, hier liegt das Grab meiner Eltern.
Bad Harzburg ist mehr als ein Ort – hier liegen meine Wurzeln.
Ich fahre gern hierher, mit vielen Gedanken, mit Erinnerungen, mit innerer Bewegung. Solche stillen Glücksmomente begleiten mich auch im Alltag
Am Grab meiner Eltern
Vom Bahnhof aus gehe ich hinauf zum Friedhof.
Vieles hat sich verändert. Der Friedhof wirkt leerer als früher, und um das Grab meiner Eltern herum gibt es nur noch wenige andere Gräber.
Ich stehe still.
Ohne meine Eltern gäbe es mich nicht, meine Schwester nicht – und all die Kinder und Enkel, die erst durch sie möglich wurden.
Dankbar stehe ich dort, in der Stille.
Hinauf in den Wald
Danach beginnt eine sportliche Wanderung hinauf in den Wald.
Es ist still. Ganz still.
Auch am Meer habe ich diese besondere Winterruhe erlebt
Winternebel liegt zwischen den Bäumen, und ich höre nur meine eigenen Schritte auf Kies und Waldboden.
Links und rechts des Weges stehen viele abgestorbene Fichten – ein schmerzhafter Anblick.
Doch dazwischen wachsen ganz allmählich neue Birken.
Etwas Neues entsteht.
Über den Wolken
Beim Weitergehen lichtet sich der Nebel.
Plötzlich bin ich über den Wolken.
Der Ort, der Alltag, alles bleibt unter mir zurück.
Es wird heller, und oben an der Säperstelle ist der Himmel blau.
Ich sehe die Sonne.
Dem Vater nah
Hier, mitten im Wald, hat mein Vater gearbeitet.
Als Zollbeamter war er an der damaligen innerdeutschen Grenze unterwegs.
Ein Bild ist mir plötzlich ganz präsent:
Mein Vater, Kollegen, der Dienst-VW-Bus – ein wunderschöner T1 – dort oben an der Säperstelle.
Im Winter war er hier sogar auf Skiern unterwegs.
In diesem Moment ist er mir wunderbar nah.
Quelle und Stille
Ganz in der Nähe entspringt eine kleine Quelle.
Frisches Wasser erblickt das Licht der Welt, begleitet von einem zarten, leisen Plätschern.
Die Wolken liegen nun unter mir.
Kein Laut dringt herauf.
Manchmal rascheln noch ein paar Blätter, wo der Wind sie noch nicht verweht hat.
Keine Vogelstimme.
Absolute Ruhe.
Die Nebelschwaden unter mir gleichen einer Seenlandschaft:
Der Wald wird zum Ufer, kleinere Berge zu Inseln.
Ein Reich über den Wolken – für einen Moment nur für mich.
Kreuz des Deutschen Ostens
Mit ruhigem Atem gehe ich weiter hinauf bis zum Kreuz des Deutschen Ostens auf 547 Metern Höhe.
Hier war ich als Kind oft.
Mit meinen Eltern, mit befreundeten Kindern, auf langen, großen Ausflügen.
Ich setze mich auf eine Bank.
Stille.
Würzige Harzluft.
Die Zeit steht still.
Rückkehr in die Welt
Auf dem Rückweg kommt mit jedem Schritt langsam wieder die „Musik der Welt“ zu mir zurück:
Straßen, Stimmen, der Weihnachtsmarkt.
In der Bummelallee liegt eine anrührende Stimmung.
Weihnachtsbeleuchtung, ein kleiner Markt – heute ist der 4. Advent.
Im Kaffeehaus Bad Harzburg gönne ich mir einen Americano und eine Himbeerschnitte.
Noch einmal eine Wohltat für Leib und Seele.
Heimfahrt
Ein angenehm warmer Zug bringt mich nach Hause.
Mein Hörbuch „Schwarze Wasser“ begleitet mich, und ab Hannover legt der ICE ordentlich Tempo vor.
Ich fahre heim –
mit ruhigem Herzen,
mit vielen Bildern,
und mit dem Gefühl, meinen Wurzeln ganz nah gewesen zu sein.
Ein ganz anderes Unterwegssein begann hier









